Programm

St. Gilgner Ebner-Eschenbach-Symposium 2015

Das St. Gilgener Ebner-Eschenbach Symposium am 19. September 2015, mit dem Motto "Vom Guten und vom Bösen" fand heuer im wunderschönen Konferenzraum des Hotels Hollweger statt.

In der Einleitung wurde nochmals die Frage gestellt, ob man beim menschlichen Tun an die Macht des Schicksals glauben soll oder an die Macht des freien Willens und ob dem Menschen ein Gewissen, eine innere Stimme angeboren ist.

Der Biologe und bekannte Wolfsforscher Kurt Kotrschal führte in seinem Vortrag aus, dass im menschlichen Gehirn der praefrontale Kortex, das Stirnhirn für die Bewertung und Entscheidung von Handlungen zuständig ist. Am 13. September 1848 hatte der Amerikaner Phineas Gage einen schweren Unfall, wo ihm eine Eisenstange durch den Kopf getrieben wurde, die ebendiese Gehirnregion zerstörte. Er überlebte, aber aus einem verantwortungsbewussten, sozialen Mitmenschen war plötzlich ein unberechenbarer Mensch ohne jede soziale Kompetenz geworden.

Der Mensch, so Kotrschal, ist ein soziales Wesen. Um die Gesellschaft nicht zu gefährden und den Reproduktionserfolg zu garantieren, kam es stammesgeschichtlich zu immer größerer sozialer Komplexität, zur immer besseren Abschätzung der eigenen Handlungen, zu ihrer Bewertung im sozialen Umfeld.
In biologischer Hinsicht gibt es laut Kotrschal nur minimale Unterschiede zwischen Mensch und Tier.

Der Theologe Karl Essmann möchte diese marginalen Unterschiede zwischen Mensch und Tier so nicht stehen lassen. "Hier am Pult steht kein Wolf, meine Damen und Herren“, so beginnt er seinen Vortrag, " und es wird auch kein anderes Tier zu Ihnen sprechen."
Er bringt die schöne Geschichte von Tolstoi, "Der Einsiedler", wo Tiere über das Böse nachdenken. Der Hirsch meint, es käme von der Angst, die Schlange von der Gier und der Rabe vom Hunger. Sie fragen einen Einsiedler und der antwortet, der Mensch ist mehr als Angst und Gier und Hunger: Das Böse kommt von der falschen Entscheidung.
Dr. Essmann ist der Überzeugung, dass der Mensch immer eine Wahl hat und um die richtige Entscheidung ringen müsse.

Das Duo Roland Knie und Martin Haidinger machen einen sehr unterhaltsamen Streifzug durch die satirische Literatur zum Thema Schurkerei und Bösewichte, von Erich Kästner, über Wilhelm Busch, Christian Morgenstern und seinem Palmström und der Idee des Korffs. Sie sprechen davon, welch hohen Stellenwert im Fernsehen die Kriminalserien einnehmen, von der Lust an der Angst und am Nervenkitzel, vom offensichtlichen Faszinosum des Bösen.

Andrea Eckert schließlich zog die Teilnehmer mit der Lesung der Novelle "Das Schädliche" von Marie von Ebner-Eschenbach in ihren Bann. Auf eine Vorlesestunde gekürzt bot diese Novelle ein beeindruckendes Psychogramm zweier weiblicher Figuren, Mutter und Tochter, faszinierende, hochbegabte Gestalten, die zielsicher ihrem Untergang entgegen taumeln.

Mit Kulinarium, zwei kurzen pantomimischen Szenen auf Video und einer angeregten Diskussionsrunde nahm dieses Symposium seinen Ausklang.